Erschließung

Der vorhandene alte Katalog wird bearbeitet, in den Verbund der großen Bibliothekskataloge eingearbeitet und online gestellt werden.
Eine erste Übersicht über die Handschriften finden sich unter http://www.manuscripta-mediaevalia.de/?r5a!%22Barth“#|6

NEU: Das Verzeichnis der Wiegendrucke (PDF) wurde auf der Grundlage des maschinenschriftlichen Katalogs von Andrea Said (1983) von Falk Eisermann im April 2015 aktualisiert und bearbeitet. Dieses Verzeichnis ist „work in progress”. Die bibliographischen Angaben (Autor, Titel, Druckort, Drucker, Datierung, Format) wurden dem aktuellen Stand des Gesamtkatalogs der Wiegendrucke Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz (GW) angepasst. Einige Ausgabennachweise sowie sämtliche URLs, vereinzelte neuere Literaturangaben u.ä. wurden gegenüber dem Katalog von Andrea Said ergänzt. Die Exemplarspezifika (vor allem Besitz- und sonstige handschriftliche Einträge) werden hier nach dem Katalog von Said wiedergegeben und sind noch nicht bzw. nur punktuell überprüft worden; die Einbandbefunde nach den zitierten Aufsätzen von Jürgen Geiß. Die nach Autornamen und Werktiteln vorgenommene Nummerierung ist vorläufig, es ist vor allem mit der Auffindung und Identifizierung weiterer Fragmente zu rechnen.



SPEKTAKULÄRE ENTDECKUNG:

Die Barther Kirchenbibliothek ist älter als gedacht und wurde bereits 1398 erstmalig erwähnt

Bislang galt es als ausgemacht, dass die Kirchenbibliothek von St. Marien in Barth erstmals 1451 erwähnt wurde. So steht es im „Handbuch der historischen Buchbestände“ – siehe http://fabian.sub.uni-goettingen.de/?St._Marien_(Barth) – und so wurde es noch in jüngsten Beiträgen zur Geschichte dieser einzigartigen historischen Büchersammlung wiederholt.

Dr. Falk Eisermann von der Staatsbibliothek zu Berlin, Mitglied des Fachbeirats des Fördervereins Kirchenbibliothek St. Marien Barth e.V., stieß nun in der historischen Forschungsliteratur auf eine Quelle, die belegt, dass die Büchersammlung bereits über fünfzig Jahre früher existiert hat: Am 3. Juni 1398 vermachte nämlich der Barther Pfarrer Hermann Hut (Hoet) in seinem Testament der Barther Kirche eine Reihe von Büchern. Das Testament ist in einem sogenannten Kopialbuch im Landeskirchlichen Archiv Schwerin in einer Abschrift aus dem 15. Jahrhundert überliefert.

Huts Schenkung umfasste vor allem Predigten, unter anderem von dem Prämonstratenser Johannes von Abbeville, daneben ein „Passionale“, die priesterlich-liturgischen Handbücher „Rationale divinorum officiorum“ und „Compendium theologicae veritatis“ sowie ein Buch, das Hut als „viaticum meum“ bezeichnet; es soll, so legt er fest, im Chor der Kirche zum allgemeinen Nutzen der Kleriker aufbewahrt und angekettet werden. Bemerkenswert in dem umfangreichen lateinischen Testament ist der Umstand, daß Huth von einer „wiederherzustellenden Bibliothek“ (liberaria restauranda) spricht. Offenbar war also ein älterer Buchbestand zuvor bereits vorhanden und in irgendeiner Weise vernachlässigt worden.

„Das ist für uns ziemlich spektakulär, aber eigentlich gar kein Neufund“, sagt Eisermann. „Huts Testament wurde schon 1911 im Mecklenburgischen Urkundenbuch erstmals publiziert. Ich bin darauf eher zufällig bei der Lektüre eines hervorragenden Werks über alte deutsche Kirchenbibliotheken gestoßen, das unser Kollege Dr. Uwe Czubatynski vom Domstiftsarchiv Brandenburg verfasst und schon 1998 publiziert hat.“ Dort heißt es bereits: „Der Hinweis, dass die Barther Bibliothek schon 1451/54 bezeugt sei, geht nicht weit genug zurück“. Jedoch, so Eisermann, habe die regionale Forschung zur Barther Bibliothek bislang weder das Urkundenbuch noch Czubatynski zur Kenntnis genommen; zumindest sei das Datum 1398 bislang nach seiner Kenntnis nicht diskutiert worden. „Aber besser jetzt als nie. Es ist besonders schön, dass wir im Jahr der feierlichen Wiedereröffnung der Marienbibliothek auf diese wahrlich fundamental zu nennende Quelle gestoßen sind, mit der wir uns nun erstmal näher beschäftigen müssen. Eins lässt sich aber jetzt schon sagen: Die Barther Büchersammlung gehört damit zu den frühesten nachweisbaren Kirchenbibliotheken in Deutschland und ist ganz bestimmt die älteste ununterbrochen am selben Ort bestehende Pfarrbibliothek.“

Quellen:
Mecklenburgisches Urkundenbuch, Band 23, Schwerin 1911, Nr. 13306 (S. 433-437)
Uwe Czubatynski: Armaria ecclesiae. Studien zur Geschichte des kirchlichen Bibliothekswesens. Neustadt an der Aisch 1998, S. 211

Kontakt für Detailfragen:

Dr. Falk Eisermann
Referatsleiter Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
Gesamtkatalog der Wiegendrucke / Inkunabelsammlung
Unter den Linden 8
D-10117 Berlin (Mitte)
Tel.: +49 (0)30 266 435 150
Mail: Falk.Eisermann@sbb.spk-berlin.de

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